Agrarreform: «Fridays for Future» stellen sich gegen EU-Kommission

Sonnenschein lässt Spargelernte in Niedersachsen beginnen

Der Sonnenschein der vergangenen Tage hat auch in Niedersachsen die Spargelernte starten lassen. «Erste Betriebe sind am Stechen», sagte Fred Eickhorst, Geschäftsführer und Vorstandssprecher der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, in Sandhatten (Landkreis Oldenburg). Zum Osterwochenende dürften seiner Ansicht nach die ersten Spargelverkaufsstände öffnen.


Allerdings konnten noch längst nicht alle Betriebe mit der Ernte beginnen. «Wir reden noch nicht über große Mengen», sagte Eickhorst. Spargelbetriebe, die von sehr warmen Sandböden profitieren, sehr frühe Sorten anbauen und eine Doppel- oder Dreifachabdeckung nutzen, haben den ersten Spargel. Das seien aber relativ wenige Betriebe. In Süddeutschland seien die Spargelbauern schon weiter als im Norden. Aber auch die niedersächsischen Spargelanbauer dürften nun rasch ihr Angebot ausweiten, selbst wenn es in den kommenden Tagen wieder ein wenig kälter werden soll.


Zu den Betrieben, die bereits in die Ernte gestartet sind, gehört der Spargelhof Thiermann in Kirchdorf (Kreis Diepholz). Mit dem Spargelstechen sei Anfang der Woche begonnen worden, sagte Sprecherin Anke Meyer: «Der Verkauf läuft zunächst über die Direktvermarktung - also im Hofladen und auf den Wochenmärkten.» Derzeit seien rund 100 Saisonarbeitskräfte vor Ort: «Nach Ostern werden es je nach Wetterlage dann sicher auch mehr.»


Angesichts der erst anlaufenden Ernte seien noch keine Angaben über Verbraucherdurchschnittspreise möglich, sagte Michael Koch von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn. Er schätze aber, dass die Preise etwas über dem Vorjahresniveau liegen. Darauf deuteten die Großhandelsabgabepreise hin. Derzeit sei auch Ware aus Südeuropa knapp. Das liege an der dortigen Witterung, aber auch daran, dass es kurz vor Ostern nicht so viele Transportmöglichkeiten mit dem Lkw gebe. «Vor Ostern ist es schwer, Fahrer zu finden, die auf eine drei bis vier Tage lange Tour gehen», sagte Koch.


Für die Spargelernte brauchen die Betriebe auch Erntehelfer, die in der Regel aus Osteuropa kommen. Nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr seien für die Betriebe die Abläufe nun schon vertraut, sagte Koch.


Der Aufwand ist für die Betriebe hoch: Die Erntehelfer werden auf den Betrieben nach ihrer Ankunft auf Corona getestet und befinden sich in einer Arbeitsquarantäne, sagte Eickhorst. Das heißt: Die Erntehelfer pendeln zwischen ihrer Unterkunft und den Spargelfeldern und dürfen den Betrieb nicht verlassen. Der Arbeitgeber versorge sie, so dass sie nicht selber einkaufen gehen müssen, sagte Eickhorst.


Das System habe sich bewährt. Der Anteil der infizierten Erntehelfer habe unter der Infektionsquote der Durchschnittsbevölkerung gelegen, sagte Eickhorst.


Am Mittwoch beschloss das Bundeskabinett die Ausweitung der sozialversicherungsfreien Beschäftigung von 70 auf 102 Tage. Das sei wichtig, um den Personalwechsel in der Saison zu begrenzen. «Mit jedem Wechsel steigen die Kontakte und damit das Infektionsrisiko», sagte Eickhorst. Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast begrüßte die Berliner Kabinettsentscheidung. «Diese Regelung für ausländische Saisonarbeitskräfte gibt unseren Betrieben Sicherheit», sagte die CDU-Politikerin. Die Höfe hätten gute Hygienekonzepte und betriebliche Teststrategien ausgearbeitet.


In Niedersachsen wird auf rund 4650 Hektar Spargel angebaut. Im vergangenen Jahr wurden rund 26 600 Tonnen Spargel geerntet. Insgesamt arbeiten laut Ministerium im Jahresverlauf rund 40 000 Saisonarbeitskräfte im niedersächsischen Obst- und Gemüseanbau.

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